Goldschopfpinguin

Eudyptes chrysolophus
Goldschopfpinguinfoto

Foto: Dr. Ruedi Abbühl

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Unterstamm:
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Unterklasse:
Ordnung:
Familie:
Gattung:

Unterarten:

Artbeschreibung:
Goldschopfpinguin, Macaronipinguin, Sphaghettipinguin
Macaroni penguin
Gorfou doré, Gorfu macaroni
Pingüino anaranjado, Pingüino macaroni

Vertebrata
Tetrapoda
Aves
Neognathae
Sphenisciformes
Spheniscidae
Eudyptes

monotypisch

Johann Friedrich von Brandt, 1837

Aussehen

Ein erwachsener Goldschopfpinguin und einige Jungtiere.

Foto: Ignacio Franco

Ein Goldschopfpinguin und einige Jungtiere.

Ausgewachsene Goldschopfpinguine haben ein relativ dunkelschwarzes Gefieder, das den Kopf, die Flossenoberseite und den Rücken bedeckt. Anders als beim Königspinguin gibt es keinen scharfen Übergang des schwarzen Rückens in das Weiß des Bauches. Es ist vielmehr eine gewellte Linie, die sich vom Kopf bis zu den Füssen zieht, die jedoch oftmals durch Mischgefieder aus schwarzen und weißen Federn geprägt ist.  Wie alle Pinguine der Gattung Eudyptes hat auch der Goldschopfpinguin einen Schopf aus goldgelben Prachtfedern an jeder Kopfseite, die ihm auch seinen Namen verleihen. Im Gegensatz zum Felsenpinguin, Dickschnabelpinguin oder Kronenpinguin hat der Goldschopfpinguin über jedem Auge einen kleinen Bereich, wo alle Federn festgewachsen sind. Bei den vorhergenannten Arten wachsen die Federn auf einem ganzen Streifen, vom Schnabelansatz bis zum Hinterkopf. Hier dagegen gibt es nur einen kleinen Fleck auf jeder Seite, an dem die Prachtfedern angewachsen sind, die übrigens mit ihrem goldgelben Farbton auch sichtbar dunkler gefärbt sind, als die der vorhin genannten anderen Arten der Gattung Eudyptes. Aufgrund der Tatsache, dass die Federn nur an einer Stelle angewachsen sind, hängen die bis zu 10 cm langen Prachtfedern wild nach vorne oder nach hinten herab und sind auch nicht steif, sodass sie bei heftigen Kopfbewegungen leicht umherwirbeln können. Etwas beleibter als die Felsenpinguine besitzen die Goldschopfpinguine auch einen großen rotbraunen Schnabel, der wie beim Kronenpinguin durch einen dünnen rosafarbenen bis dunkelroten Streifen am Schabelansatz sichtbar vom schwarzen Gefieder getrennt wird.

Die Küken der Goldschopfpinguine sind wie alle Küken der Gattung Eudyptes bereits erkennbar gezeichnet. Das Daunengefieder am Rücken ist dunkelbraun, das am Bauch weißgrau. Auch ihr Kopf ist braun, der Schnabel ist allerdings schwarz. Er erhält seine braunrote Färbung erst mit der Zeit.

Halbwüchsige Goldschopfpinguine haben schon ein den Erwachsenen ebenbürtiges wasserfestes Gefieder, aber ihr Hals ist noch grau und ihr Schnabel ist noch heller gefärbt als der der ausgewachsenen Goldschopfpinguine. Außerdem ist ihr goldgelber Kopfschmuck noch nicht voll ausgeprägt, er besteht nur aus einigen wenigen kurzen Federn. Im 2. Lebensjahr erhalten sie ihr volles Erwachsenengefieder, nur der goldgelbe Schopf braucht noch einige Monate, bis er voll entwickelt ist.

Größe und Gewicht

Mit 72 cm Körpergröße gehört der Goldschopfpinguin zu den größten Pinguinen aus der Gattung Eudyptes. Er kann sogar bis zu 77 cm groß werden, manche Goldschopfpinguine bleiben aber ihr Leben lang "nur" 65 cm groß.

Goldschopfpinguine haben je nach Jahreszeit und Jungenaufzucht ein sehr unterschiedliches Gewicht. In der Regel sind jedoch die Weibchen schwerer als die Männchen. Sie verlieren während der extrem anstrengenden Paarungs- und Brutzeit meistens 50% ihres Körpergewichts in 25 Tagen, manchmal aber auch mehr oder weniger.

Konkrete Zahlen dazu gibt es kaum, aber Goldschopfpinguinweibchen soll 1983 während der Zeit der Eiablage 45% seines Körpergewichts von 6,1 kg verloren haben. Demnach brachte es später nur noch 3.4 kg auf die Waage. Eine andere Zeit, während die Goldschopfpinguine stark an Gewicht verlieren, ist die Mauser. Ohne intaktes wasserabweisendes Gefieder können die Pinguine nicht zum Fressen ins Meer. Deshalb fressen sie sich zuvor eine Speckschicht an, von der sie zehren, während sich ihre Federn erneuern.

Ernährung

Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Krustentieren, tierischem Plankton oder Krill (Euphausia superba).

Etwas weiter im Osten besteht ihre Nahrung mehr aus einzelnen Komponenten, also auch aus Fisch (Krefftichtys andersoni, Protomyctophum tenisoni) und kleinen Tintenfischen (Kondakovia longimata).

Die Größe des Futters reicht von 5 mm bis 127 mm und auch das Gewicht des Mageninhalts ist sehr unterschiedlich. Es kommt je nach Lage der Kolonie vor, dass Goldschopfpinguine mit 197 g oder 692 g Futter im Magen zur Kolonie zurückkehren.

Goldschopfpinguine jagen meistens am Tag und ihre Beutezüge dauern 10 Stunden. Aber auf den Crozet Islands gehen die Erwachsenen auch bis zu 3-4 Tage auf Beutefang und entfernen sich dabei bis zu 300 km von der Kolonie, um Tintenfisch oder Krustentierschwärmen aufzulauern. Wenn sie Küken haben, fallen ihre Beutezüge meist kürzer aus, aber mit fortschreitendem Alter des Nachwuchses erlauben sie sich auch wieder längere Trips. Sie tauchen meist nur ein bis zwei Minuten und erreichen dann auch nur Tiefen von 10 bis 37 m, können jedoch auch maximal bis zu 110 m Tiefe vorstoßen. Sie tauchen dafür bis zu 450 mal pro Tag. Im Schnitt können sie immerhin eine Geschwindigkeit von 7.5 km/h über viele Stunden hinweg halten.

Verbreitung & Lebensraum

Goldschopfpinguine finden sich von den Kergulen bis zur chilenischen Küste. Sie sind die einzige Art der Gattung Eudyptes, die hin und wieder in der Antarktis zum Brüten gesichtet wird und zwar auf der Antarktischen Halbinsel auf dem 60. südlichen Breitengrad. Doch dies sind nur vereinzelte Tiere, ihre Hauptverbreitungsgebiete liegen nördlicher bis etwa zum 50. südlichen Breitengrad.

Ihr Verbreitungsgebiet endet im westlichen indischen Ozean mit den Kergulen und den diese umgebenden Inseln. Goldschopfpinguine brüten z.B. auf Livingston Island, auf den South Shetland Islands, auf Elephant Island oder Deception Island. Nur wenige Tiere kommen regelmäßig zum Brüten auf die Campell oder Auckland Inseln im Süden Neuseelands. Neuseeland und Australien zählt allerdings nicht zu ihrem Hauptverbreitungsraum.

Es gibt 216 Goldschopfpinguinkolonien an 50 verschiedenen Orten im Hauptverbreitungsgebiet, die größten Kolonien finden sich auf Crozet Island oder den Kergulen mit jeweils mehr als 1.4 Mio. Goldschopfpinguinen.

Bestand

Obwohl der Goldschopfpinguin mit rund 18 Mio. Vertretern seiner Art zu den zahlenmäßig meistverbreitetesten Pinguinen zählt, ist er unter der Kategorie "Vulnerable" auf der IUCN - Redlist der bedrohten Tierarten zu finden. Auffallend ist der starke Rückgang der Bestandszahlen um mindestens 20 % in den letzten 36 Jahren, obwohl sich diese Annahme auf nur sehr vage Informationen aus den 1970'ern stützt. Deshalb zählen die Goldschopfpinguine wohl zu den weniger gefährdeten Arten, die sich unter dieser Kategorie finden.

Brut & Jungenaufzucht

Ein einzelner Felsenpinguin.

Foto: Dave Houston

Dicht nebeneinander brüten die Goldschopfpinguine in einer Kolonie.

Die Brutzeit beginnt zwischen Ende September und Ende Oktober, je nach Nahrungsangebot und Ort der Kolonie. Sobald die Männchen am Brutplatz ankommen, sichern sie sich einen Platz für ihr späteres Nest, den sie auch gegen streitsüchtige Kollegen behaupten müssen. Hat sich ein Männchen einen Nistplatz ausgesucht, dann beginnt er kleine Kieselsteine für sein Nest zu sammeln. Sein Besitzanspruch auf das Nest beansprucht das Männchen täglich neu, indem es quäkend und flossenschlagend seinen Besitz den anderen Männchen kundtut. Goldschopfpinguine nisten in großen Kolonien und ihre Nester finden sich in minimalstem Abstand von nur rund 40 cm, manchmal gibt es Einzelgänger, die lieber sich lieber auf den Schutz der Vegetation verlassen, aber die meisten Pinguine bevorzugen die Kolonie. Eine Goldschopfpinguinkolonie kann schon einmal bis zu 700 000 Vögel groß sein. Sie erstreckt sich meistens über ein ganzes Gebiet verschiedenster Landschaften, z.B. raue Felsen, steinige Strände und geröllhaltige Täler. Manchmal teilen Goldschopfpinguine ihre Nistplätze mit den kleineren Felsenpinguinen, denen sie dann die unzugänglichern Plätze überlassen. Daraus resultierende kleinere Rangeleien zwischen den Nestbesitzern und eventuellen Eindringlingen sind an der Tagesordnung, zumal es manchmal unmöglich ist, das eigene Nest zu erreichen, ohne das Territorium des Nachbarn zu verletzen.

Die Weibchen der Goldschopfpinguine treffen ungefähr eine Woche später als die Männchen ein und beginnen mit der Partnersuche. Die Männchen versuchen ihre Partnerinnen dadurch zu beeindrucken, dass sie ihren Schnabel gen Himmel recken, ihre Flossen weit öffnen und mehrere laute Rufe von sich geben. Dabei schlagen sie wild mit den Flossen und schütteln ihren Kopf, sodass die langen gelben Prachtfedern wild durch die Gegend wirbeln.

Wenn sich ein Pärchen gefunden hat, dann stellen sie sich gegenüber auf, während sie ihre Schnäbel nach oben recken und wie besessen mit den Flossen schlagen. Dabei stoßen sie in ohrenbetäubender Lautstärke kreischende, aber durchaus rhythmische Laute aus, die sie aufeinander abstimmen. Ist diese Zeremonie, die mehrere Stunden dauern kann beendet, dann folgt die Paarung, die gleich wie bei allen Pinguinen abläuft. Eine Woche nach der Paarung legt das Weibchen ihr erstes Ei, 3 -5 Tage später das zweite Ei, das wie bei allen Pinguinen der Gattung Eudyptes größer als das erste ist. Oftmals ist es um rund 45 % schwerer als das erste und kann bis zu 160 g wiegen. Die Brutzeit dauert mindestens 35 Tage und die Partner teilen sich diese Arbeit auf. Sofort nach der Eiablage verlässt das Männchen seine Partnerin, um nach einer einmonatigen Fastenzeit wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Das Weibchen übernimmt also für die ersten 13 - 15 Tage die Brut, das Männchen dann die restliche Zeit. Einige Tage,bevor die Jungen ausschlüpfen, treffen beide Partner am Nest ein und erwarten sehnsüchtig die "Geburt" ihres Nachwuchses. Trotz bester Pflege schlüpft in der Regel nur aus einem der beiden Eier ein Junges, dies unterscheidet die Goldschopfpinguine von den Felsenpinguinen, Kronenpinguinen oder Dickschnabelpinguinen.

Ist das Junge geschlüpft, wird es vom Vater bewacht, während die Mutter ins Meer fischen geht und ihr Junges täglich mit vorverdauter Nahrung füttert. Nach rund einem Monat finden sich die Küken zu einer Gruppe zusammen, sodass die Eltern auch zusammen fischen gehen können. Diese Touren dauern dann meistens länger als einen Tag und führen die Erwachsenen ziemlich weit von der Kolonie weg.
Kommt einer der Partner von Fischen zurück, ruft er sein Junges, die Flossen gespreizt, den Schnabel nach oben gerichtet. Das Küken wird dann mit seinem individuellen Ruf antworten und sich aus der Gruppe lösen, um zum Fressen zu kommen.

Sind die Küken rund 60 Tage alt, werden die jungen Goldschopfpinguine flügge und verlassen die Kolonie um sich erste Reserven anzufressen. Auch die Erwachsenen gehen ins Meer fischen, um die Zeit der Mauser, die sich nur wenige Wochen nach der Brutzeit anschließt und rund 30 Tage dauert, und den damit verbundenen Totalausfall an Futter zu überstehen. Ende April sind die Kolonien dann bis zum nächsten Frühjahr im September verlassen.

Feinde & Gefahren

Goldschopfpinguine sind den gleichen Gefahren ausgesetzt, die auch die anderen Pinguine in diesen Breiten erwartet. Hauptsächlich hungrige Seeleoparden (Hydrurga leptonyx), Australische Fellrobben (Arctocephus forsteri) und neuseeländische Seelöwen (Phocartos hookeri), jagen die Goldschopfpinguine im Meer. Die Küken dagegen müssen Luftangriffe mehr fürchten, so werden sie von Skuas (Stercorarius lonnbergi) oder südlichen Riesensturmvögeln (Macronectes giganteus) bedroht. Dominikaner Möwen (Larus dominicanus) und Skuas machen zuvor den Eltern mit ihren Eierdiebstählen das Leben schwer.